Operatives Lieferantenmanagement

Operatives Lieferantenmanagement

 

Im Herbst letzten Jahres hatte ich die Chance an einer Diskussion über Operatives Lieferantenmanagement bei einem führenden deutschen Unternehmen teilzunehmen. Im Nachgang ist mir aufgefallen, dass das Thema operatives Lieferantenmanagement zwar essenziell im Einkaufsprozess und eine Standardanforderung des operativen Einkäufers ist, jedoch meist neben den strategischen Ansätzen untergeht. Dabei ist gerade diese Lieferantenbeziehung eine der wichtigsten, um einen möglichst reibungslosen Prozessablauf zu gewährleisten.

Von Christoph Wiedmann 

 

Das operative Lieferantenmanagement definiert sich primär durch Kriseninterventionstaktiken. Läuft alles nach Plan und ist der Prozess nicht gestört, konzentriert sich die Aktivität auf die Prävention, Prozessoptimierung, sowie Kontakt- und Netzwerkpflege zwischen operativem Einkauf und Lieferanten. Besonders im präventiven Bereich können mit modernen analytischen Methoden sehr interessante Ansätze realisiert werden. Angefangen von Echtzeit Lieferanten und Lieferwegs-Screening über vorbeugende Wartungspläne, Ausfallwahrscheinlichkeitsanalysen bis zu Analytischen-Bedarfsvorhersagen, um nur einige zu nennen. 

Kommt es jedoch zu einer Störung im Prozess ist eine schnelle Reaktion aus dem Lieferantenmanagement gefragt. Ziel ist es jetzt, mit den richtigen Ansätzen und Werkzeugen die Störung möglichst zeitnah zu beheben und so den Supply Chain Prozess wieder zu normalisieren. Dabei sollte das Hauptaugenmerk immer darauf liegen, Störungen des bProduktionsprozesses oder der Supply Chain zum Endkunden zu vermeiden/minimieren.

Die Schnittstelle Lieferant und Kunde ist nach wie vor – und wird es auch auf absehbare Zeit bleiben – eine Mensch zu Mensch Schnittstelle. Selbst wenn der Beschaffungsprozess voll automatisiert ist. Sie unterliegt damit den Gepflogenheiten und Regeln der sozialen Interaktion. Dieser Punkt ist besonders wichtig zu verstehen, da Aktion und Reaktion durchaus unlogischen Mustern folgen können und dabei mitunter extreme Ergebnisse entstehen. So könnte der Lieferant beispielsweise - ausgelöst durch falsche Interventionsansätze - die gesamte Lieferbeziehung in Frage stellen. Ein gegenteiliges positives Beispiel ist, wenn der Partner seine Ertrags- und Gewinnmargen mit anderen Kunden gefährdet, um das akute Problem zu lösen. Beispielsweise seine Serienproduktion zu unterbrechen, um eine Einzelfertigung vorzuziehen. Beide Beispiele sollen zeigen, das menschliche Entscheidungen nicht immer logisch sind und geradlinigen Mustern folgen und daher das richtige Lieferantenmanagement so wichtig ist.

Im Grunde kann eine erfolgreiche operative Lieferantenstrategie auf einen fairen Umgang zwischen Partner/Lieferant und dem Kunden/Abnehmer zusammengefasst werden. Das schließt vereinbarte Strafen und Incentives genauso wenig aus, wie das deutliche Ansprechen von Schwachstellen und Problemen. Ziele ist am Ende, eine Lösung zu erzielen, die von beiden Parteien zu der Situation als gerechtfertigt akzeptiert wird.

Dabei lassen sich die Probleme auf wenige Bereiche kategorisieren: Lieferausfall aufgrund höherer Gewalten, Ungeplante Veränderung der Kadenzen, Kurzfristiger/Ungeplanter Ersatzbedarf und Prozessschwächen in der Lieferkette  Allen Fällen gemein ist, dass je nach Eskalationsstufe, das Management die operative Lösungsansätze unterstützt. Im besten Fall die gewählte Herangehensweise im Vorfeld mit dem zu erwartenden Eskalationsstufen abgestimmt ist.

   

So werden unnötige Itarationsschleifen vermieden, was den Lösungsprozess im Allgemeinen verkürzt. Hilfreich ist zusätzlich, wenn es möglich ist den Verursacher der Störung zu ermitteln. So können Argumente und Strategien auf Basis des Verursacherprinzip ausgerichtet werden. Jedoch sollte der Fehler vermieden werden, die Antwort auf die Frage nach dem Verursacher über die Problemlösung zu stellen, solange die Produktionssicherung das primäre Ziel ist.

Unabhängig von der Art des operativen Lieferantenmanagements und den dazugehörigen Interventionsstrategien sollte das langfristige und nachhaltige Ziel eine ausgewogene Lieferantenentwicklung und Risikoreduzierung sein. Optimiert durch einen stetigen Austausch zwischen dem Tagesgeschäft im operativen Einkauf und der strategischen, langfristigen Entwicklungsplanung der Supply Chain.

 

 

 

Date

10. Januar 2020

Tags

Magazine

About CRAB Analytics

CRAB Analytics gestaltet die passende Supply Chain- und Einkaufsstrategie für klein und mittelständische Unternehmen und nutzt dabei innovative Algorithmen und Methoden zur Steigerung der Leistungsfähigkeit der Supply Chain.

©2020 CRAB Analytics. All Rights Reserved. Design by CRAB Analytics

Search