Wie Corona die Lieferketten einem Stresstest unterzieht

Wie Corona die Lieferketten einem Stresstest unterzieht

 

Die Auswirkungen der Corona (Covid 19) Pandemie bieten uns die seltene Chance, Lieferketten auf ihre Belastbarkeit zu prüfen. Mit einer klugen und ausgewogenen Risikostrategie lassen sich die Vorteile von Arbeitsteilung und Globalisierung besser für die Zukunft absichern.

Von Christoph Wiedmann

  

 

Arbeitsschritte und Produktionsteile wurden in den letzten Jahrzehnten immer weiter optimiert, besonders durch Arbeitsteilung und ‚Economy of Scales‘. Spezialisierung auf Vorprodukte, Produktionsschritte und Teilprodukte ermöglicht Kostensenkung bei gleichzeitig höheren Gewinnen in der gesamten Wertschöpfungskette. Gleichzeitig erschließen sich durch die Spezialisierung auf immer kleinere Teilprozesse der Wertschöpfung Potentiale der Lohnoptimierung in Form von Produktionen dort, wo Arbeit im Verhältnis zum benötigten Ausbildungstand am Günstigsten ist.

Es ist richtig und eines der größten unternehmerischen Ziele, die Wertschöpfung kontinuierlich zu optimieren. Das Ergebnis dieser Bemühungen in der Supply Chain sind immer komplexere Lieferketten rund um den Globus, bei gleichzeitiger Lageroptimierung und Minimierung. Just in Time gefolgt von Just in Sequence wurde bis in die 2. und 3. Ebene der Lieferketten getrieben.

 

Allerdings zeigten sich die gefährlichen Nebenwirkungen so einer Produktionsoptimierung bereits 2010 bei dem Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull auf Island. Die Aschewolke legte zeitweise den transatlantischen Flugverkehr lahm. Zwar konnten bei dem Ereignis schnell Alternativrouten über Asien nach Amerika geflogen werden, trotzdem reichte eine Störung von einigen Tagen aus, um Produktionsstandorte zum Stillstand zu bringen. Leider war der Lerneffekt schnell zwischen Kostendruck, Dividendenoptimierung und Shareholder Value zerrieben. Dabei sind die Risiken, die globale Lieferketten unterbrechen können, zahlreich und die Eintrittswahrscheinlichkeit hoch. Ein Extremereignis wie die derzeitige Pandemie mit dem Corona Virus ist dagegen selten, trifft dafür die gesamte Lieferkette auf einen Schlag.

Um die Vorteile der Arbeitsteilung und Globalisierung auf der einen Seite genießen zu können und auf der anderen Seite kostspielige Produktionsausfälle zu vermeiden, muss bei kritischen Kaufteilen ein Umdenken einsetzen. Weg von der reinen Kostenorientierung und dem blinden Nachkommen von Absatzmarktforderungen hin zu einem strategisch geplanten Beschaffung- und Lieferkettenmanagement.

Welche Produkte, Produktionsschritte und Dienstleistungen sind absolut notwendig, um die Produktion aufrecht zu erhalten? Welche Umsatzausfälle sind bei einer Unterbrechung von einem Tag zu erwarten? Aus diesen beiden Zutaten lassen sich bereits Ableitungen treffen welche Maßnahmen zur Sicherung der Lieferketten getroffen werden, bzw. welche Beschaffungsteile/Dienstleistungen abgesichert werden sollten. Die Palette reicht von der Überwachung von den Zulieferern und der Logistikwege, über die Diversifikation des Lieferantenportfolios bis zum Ausbau der Vertikalen Fertigungstiefe.

 

Alle Maßnahmen haben gemein, dass sie strategische Planung voraussetzen und erst längerfristig wirken. Beispielsweise wirkt sich eine Diversifikation kritischer Kaufteile und der damit verbundene Lieferantenaufbau unter Umständen erst nach Jahre aus.

 

Wirklich kurzfristige Lösungen gibt es nur für Standard Produkte und Normteile. Bei Zeichnungsteilen und (besonders schwierig) Entwicklungspartnerschaften können kurz bis mittelfristig nur mit enormen Investitionen alternativen geschaffen werden. Und selbst dann muss in der Anlaufphase mit häufigen Störungen (Qualitätsproblemen) gerechnet werden. Daher ist es so wichtig Risikoabsicherung in die Supply Chain Strategie zu integrieren und so für die Zukunft gewappnet zu sein.

Auf der anderen Seite ist ein Überreagieren zu vermeiden. Schließlich sollen die Vorteile der Arbeitsteilung genutzt werden und nicht die Kosten für deren Absicherung überwiegen. Deswegen ist grundsätzlich immer ein Nutzen-Kosten Vergleich anzustellen und sich auf die systemkritischen Elemente zu konzentrieren. Gerade jetzt bietet sich die Chance diese zu identifizieren und Maßnahmen für die Zukunft zu definieren.

 

 

Date

03. April 2020

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